Mobilfunk im Auto 

Wenn von Mobilfunkverbindungen und Autos die Rede ist, wird meistens nur über das Handy am Steuer berichtet. Dabei spielt die Telekommunikationstechnik bei PKWs eine immer größere Rolle – unter anderem könnten Smartphones demnächst komplett die Schlüssel ersetzen. Bereits heute lassen sich Fahrzeuge so umrüsten, dass sie sich über das Mobiltelefon öffnen und starten lassen. Das Verfahren ist dabei vor allem bei diversen Autovermietungen und Carsharing-Services beliebt, da Kunden so auf einfachste Weise temporären Zugang zum geliehenen Wagen erhalten und die übliche Schlüsselübergabe entfällt. Bei einigen Audi-, BMW- und Mercedes-Modellen können Smartphones zudem schon serienmäßig als „virtuelle Schlüssel" dienen, wenn sie korrekte Daten an eine im Türgriff eingebaute NFC-Antenne übertragen. 

Wenn mehrere Fahrer das Auto verwenden, ließe sich der Wagen in einem nächsten Schritt an den aktuellen Nutzer anpassen, indem beispielsweise der Sitz automatisch in die jeweils optimale Position gerückt oder die Klimaanlage auf die gewohnte Temperatur eingestellt wird. 

BMW hat bereits Personalisierungsoptionen angekündigt.


Auf dem Weg zum „Smartphone mit vier Rädern"

Da es während der Fahrt schnell langweilig werden kann, bieten Fernbusse und ausgewählte Züge ihren Passagieren Internet während der Fahrt an – Autofahrer können ihre Mitreisenden damit inzwischen aber auch problemlos versorgen und so beispielsweise übermäßigem Kinderlärm vorbeugen. Immer mehr Fahrzeughersteller bauen einen mobilen Hotspot in ihre Wagen ein, der mittels einer teils frei wählbaren, teils aber auch vorgegebenen SIM-Karte betrieben wird. Völlig unabhängig von solchen Lösungen der Autobauer funktioniert der CarConnect-Service der Deutschen Telekom, bei dem ein an die ODB-2-Buchse angeschlossener Adapter als lokaler Hotspot fungiert. Der Adapter empfängt LTE-Signale mit bis zu 100 MBit/s und verbindet sich mit bis zu fünf WLAN-fähigen Geräten. Da er automatisch mit dem Diagnosesystem des Autos gekoppelt ist, kann er aber noch viel mehr: Über die CarConnect-App erfahren Smartphone- oder Tabletnutzer beispielsweise, wo sich der Wagen gerade befindet, und erhalten optional auch eine Benachrichtigung, wenn er in einen bestimmten Bereich einfährt. Zudem werden Nutzer direkt informiert, falls Fremde vermutlich das Auto bewegen oder bestimmte Komponenten beschädigt sind. Der Service funktioniert nur mit einem speziellen Datentarif, den Telekom-Mobilfunkkunden schon seit längerem zu ihrem bestehenden Vertrag zubuchen dürfen. Seit Mitte April steht das Angebot aber auch allen anderen offen.  




Apps speziell für den Touchscreen des Autos 

Viele der interessanten Features bordeigener Unterhaltungssysteme überschneiden sich mit denen, die auch ein Smartphone bereitstellt: Schließlich lassen sich die Mobilgeräte problemlos für Sprachsteuerung, Information, Navigation, Musikwiedergabe und Kommunikation nutzen. Deshalb haben Google und Apple spezielle Apps entwickelt, die solche Inhalte angepasst für den Touchscreen des Autos bereitstellen und dabei auch Services von Dritten wie Audible, Skype oder Whatsapp integrieren. Die hier ebenfalls verfügbaren Sprachassistenten Google Assistant und Siri lesen eingehende Mitteilungen auf Wunsch vor und sorgen so dafür, dass der Blick des Fahrers auf der Straße bleibt. Lange Zeit waren Android Auto und CarPlay (für iOS-Geräte) bei Fahrzeugherstellern nicht gern gesehen, da sie lieber ihre eigenen Lösungen anbieten wollten, inzwischen stellen aber immer mehr die notwendigen Schnittstellen zur Verfügung. Das Smartphone wird dabei meist via USB ans Auto angeschlossen und somit gleichzeitig aufgeladen. Das von über 400 Modellen unterstützte Android Auto benötigt für volle Funktionalität zudem eine Bluetooth-Verbindung. Apples CarPlay (mit mehr als 300 Modellen kompatibel) ist in einigen Neuwagen bereits kabellos nutzbar, Google will bald folgen.

Alle neu auf den Markt gebrachten Fahrzeuge, die nach Ende März eine europäische Typgenehmigung erhalten haben, benötigen nicht einmal mehr ein Handy, um Anrufe zu tätigen. Das für sie gesetzlich vorgeschriebene eCall-System nutzt eine eSIM-Karte, um die Rettungskräfte im Fall schwerer Unfälle automatisch über den aktuellen Standort des Fahrzeugs, die Zahl der Insassen und weitere wichtige Details zu informieren. Ein solcher Notruf lässt sich dabei auch manuell absetzen. Zusätzlich wird – falls noch möglich – eine direkte Sprachverbindung zur Notrufstelle aufgebaut. Das System lässt sich auch in älteren Wagen nachrüsten, allerdings sollte bei dem Einsatz solcher Lösungen verstärkt auf die Datensicherheit geachtet werden.