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Ballon-Regisseur Michael "Bully" Herbig stand expert Blog gerne Rede und Antwort | Foto: Studiocanal / Marco Nagel

Ballon: "Bully" im Interview

​Pünktlich zum DVD- und Blu-ray-Start von „Ballon" stand uns Michael „Bully" Herbig Rede und Antwort. Lest nachfolgend, wie es zur Idee des Films kam und was der Regisseur und Comedian mit dem ersten Drama seiner Karriere verbindet.

Haben Sie einen persönlichen Bezug zur damaligen Zeit bzw. Situation?

Bully: Nein, wir hatten weder Freunde noch Verwandte in der DDR. Meine ganze Erfahrung bestand aus einer Klassenfahrt nach Ost-Berlin 1985.

Konnten Sie sich mit einigen Zeitzeugen der DDR austauschen, um ein Gefühl für die Situation zu bekommen?

Bully: Ich konnte mich fast sechs Jahre auf das Projekt vorbereiten. In dieser Zeit habe ich hauptsächlich zugehört. Leider ist Herr Strelzyk vor knapp zwei Jahren verstorben. Ich habe aber noch viel mit ihm sprechen können. Und Günter Wetzel stand uns während der gesamten Produktion als Berater zur Seite. Das war mir sehr wichtig, ohne die Unterstützung der Zeitzeugen hätte ich den Film nicht gemacht.

​Wie war es für Sie, nach so vielen, erfolgreichen Comedy-Filmen und -Serien ein so ernstes Projekt zu realisieren?

Bully: Unter dem Deckmantel der Komödie könnte ich die letzten Jahren Genre-Filme drehen. Western, Science Fiction, Animation oder auch einen Abenteuerfilm wie „Wickie und die starken Männer". Am Ende ist mir das Genre egal, es geht immer nur um das richtige Timing.

Hatten Sie denn schon länger vor, sich auch mal fern der Komik und Familienunterhaltung auszuprobieren?​

Bully: Ich war schon immer ein großer Hitchcock-Fan. Von daher war mir klar, dass ich irgendwann mal einen Thriller inszenieren möchte. Mir fehlte nur das richtige Thema.

„Ballon" widmet sich der wohl spektakulärsten Flucht aus der DDR | Foto: Studiocanal / Marco Nagel

Inwieweit haben Sie sich Freiheiten bei der Entfaltung der Geschichte genommen? War es schwierig, der wahren Geschichte im Kinoformat gerecht zu werden?

Bully: Diese Geschichte ist wie gemacht für's Kino. Würde man sich so eine Story einfach so ausdenken, würden die Leute wahrscheinlich sage, trag mal nicht so dick auf. Natürlich nimmt man sich an der ein oder anderen Stelle die Freiheit, etwas kompakter zu erzählen. Zum einen, weil man die Leute ja auch noch überraschen will und zum anderen muss man die Geschichte ja auch in zwei Stunden erzählt haben.

Wie viel Einfluss hatten Sie persönlich auf das Drehbuch?

Bully: Ich hab' die Drehbuchentwicklung von Anfang an begleitet.

Einige Ihrer Darsteller (u.a. Friedrich Mücke und Thomas Kretschmann) sind selbst in der DDR aufgewachsen - inwieweit flossen persönliche Erfahrungen mit in die Drehs ein?

 Bully: Persönliche Erfahrungen flossen nicht direkt mit ein. Aber mir war wichtig, dass der Film eine gewisse DNA bekommt. Das hat dem Film sehr gut getan.

Wie war denn die generelle Stimmung am Set? Haben Sie große Unterschiede zu Ihrer bisherigen Arbeit bemerken können?

Bully: Nur weil man an einem Thriller oder an einem Drama arbeitet, muss man nicht den ganzen Tag schlecht gelaunt durch die Gegend laufen. Ich würde sagen, trotz Ernsthaftigkeit hatten alle großen Spaß bei der Arbeit.

Abschließend: Hätten Sie damals genauso gehandelt?

Bully: Kann ich nicht seriös beantworte, ich war nie in so einer Situation. Vermutlich hätte ich auch versucht, diesem System zu entkommen. Allerdings wage ich bezweifeln, dass ich in einen Ballon gestiegen wäre.

Herr Herbig,

vielen Dank für das Interview!